Dein Gehirn: Ein Klettverschluss für negative Erfahrungen

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Vor ein paar Tagen hat mir meine Freundin erzählt, dass ihr etwas mega peinliches im Supermarkt passiert ist. Nachdem sie den Einkauf bezahlt hat, räumt sie diesen in die Tragtasche (aus Papier wohlgemerkt) ein. Soweit so gut. 😁 Doch als sie in Richtung Ausgang des Supermarkts losging, ist das Sackerl gerissen und die Lebensmittel landeten am Boden. Das hat natürlich sämtliche Blicke auf meine Freundin gezogen. Von den anderen Leuten im Supermarkt kassierte sie den Ein oder Anderen verächtlichen Blick. Ihr war das super unangenehm und ein beschämendes Gefühl ist in ihr hochgekommen. Sie hat wohl das Gewicht ihrer Einkäufe unterschätzt und den Fehler gemacht, alles in eine Tragtasche zu packen, statt eine zweite zu verwenden. Dieses negative Erlebnis bzw dieser klitzekleine „Fehler“ wird meiner Freundin lange in Erinnerung bleiben. Was kleine Fehler noch bewirken können zeigt auch diese bemerkenswerte Geschichte:

Ein Professor der Mathematik schrieb folgendes an die Tafel:

Erst erscholl leises Gekicher, dann lachten viele der Student*innen los, weil der Professor sich offensichtlich verrechnet hatte.

10×9 = 91!

Irgendwann lachte der ganze Raum. Der Professor wartete, bis alle wieder still waren. Dann sagte er: „Ich habe diesen Fehler absichtlich gemacht, um Ihnen etwas zu demonstrieren. Ich habe neun Aufgaben richtig gelöst, und nur einen Fehler gemacht. Statt mir zu gratulieren, dass ich neun von zehn Aufgaben richtig gelöst habe, haben Sie über meinen einen Fehler gelacht. Und damit zeigen Sie sehr deutlich, wie unser Bildungssystem funktioniert. Und das ist sehr traurig, aber leider wahr. Wir leben in einer Fehlerkultur, die dazu führt, dass Menschen verletzt und teils sogar gedemütigt werden, nur, weil sie sich mal irren. Wir müssen lernen, Menschen für ihre Erfolge zu loben, und auch, sie für ihre kleinen Fehler zu schätzen.

Glauben Sie mir, die meisten Menschen machen viel mehr richtig, als falsch. Und dennoch werden sie nach den wenigen Fehlern beurteilt, die sie machen. Ich möchte Ihnen damit nahelegen, dass es gut ist, mehr zu loben, und weniger zu kritisieren. Daraus resultiert nämlich noch so viel mehr. Mehr Zuneigung, mehr liebevolles Miteinander, und weniger Gehässigkeit. In diesem Sinne, kommen sie gut nach Hause.“

Damit nahm er seine Unterlagen und verließ den Saal. Es blieb noch lange recht still nach diesen Worten. Die meisten Student*innen nickten und sprachen leise über das eben Gehörte. Und nicht wenige von ihnen haben verstanden, dass die Lektion, die sie gerade gelernt haben, viel wichtiger war als das Ergebnis von 10×9.

Dein Gehirn und das „Klett und Teflon“-Prinzip

„Was hat das mit mir zu tun?“, fragst du dich vielleicht. Berechtigte Frage! 😊 Ich nehm dich mal mit auf eine gedankliche Expedition. Stell dir einen Klettverschluss oder auch einen Kleber vor. Wenn du ein unangenehmes Erlebnis hast, speichert dein Gehirn das sofort ab. Ähnlich wie in einer Datenbank oder in einer Datei auf deinem Computer. Diese erlebte Erfahrung ist ab jetzt immer abrufbar. Jede neue Erfahrung, die du machst, wird immer mit dieser Datenbank verglichen. Und das binnen 1/16 einer Sekunde! In meinem Blog Beitrag „Mentaltraining und Düfte“ erkläre ich dir, wie dein Erlebnisspeicher funktioniert.

Hier ein kleiner Test: Nenne mindestens 5 schlechte und 5 gute Eigenschaften deiner Nachbarin/ deines Nachbarn.
Welche fallen dir zuerst ein? Die Negativen oder die Positiven?

Auch, wenn zB eine Person dein Vertrauen missbraucht, kann das nur schwer wieder hergestellt werden.

Positive Erfahrungen sind wie Butter in der Teflonpfanne

Positive Erfahrungen hingegen – außer sie sind neu und völlig unerwartet – werden in deinem Gehirn erfahren, durchlebt und perlen dann, wie ein Stück Butter in der Teflonpfanne, ab. Ich kann deine Fragezeichen und deinen hinterfragenden Blick direkt spüren. 😁 Ich erklär‘s dir. Hier sind 3 Gründe, wieso gute Erlebnisse und Erfahrungen wie Butter in der Pfanne abperlen:

  1. Das Gehirn ist grundsätzlich ein Problemlösungsorgan und ständig auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Daher nimmt es gute Nachrichten nur flüchtig zur Kenntnis.
  2. Alltägliche angenehme Dinge werden nicht als gute Erfahrungen verzeichnet, zB ein toller Abend mit Freunden, ein sonniger Frühlingstag, eine gute Mahlzeit.
  3. Es gibt Erfahrungen, die als gut verbucht werden, die es aber trotzdem nicht in die Datenbank schaffen. Der Grund: der Zeitraum, in dem du mit deinen Gedanken bei der Erfahrung verweilst, ist zu kurz.

Dieses „Klett- und Teflon“-Prinzip stammt vom Neuropsychologen Rick Hanson. Dein Gehirn – besser gesagt unser Gehirn – ist also wie ein Klettverschluss für negative Erfahrungen konstruiert.

Dein Gehirn ist ein Pessimist

Du kennst möglicherweise die Geschichte von den Steinzeitmenschen und vom Säbelzahntiger. Damals war es wichtiger auf Gefahren zu achten als darauf, was super läuft. Wenn der Säbelzahntiger auftauchte, mussten die Menschen aus Angst vor ihm davonlaufen. Immerhin ging’s ums Überleben. Deswegen achtet unser Gehirn eher auf Negatives als auf Positives. Von Wissenschaftlern wird das als negative Verzerrung bezeichnet.

Fakt ist: dein Gehirn ist ein Pessimist, sichert dir im Notfall das Überleben und ist darauf ausgelegt, eher auf schlechte als auf gute Informationen zu achten. Sei beruhigt, damit bist du nicht allein. 😉 Das trifft auf jedes menschliche Gehirn zu. Blöd dabei ist, dass wir uns eben genau diese – also die schlechten Erfahrungen – länger merken.

Was du tun kannst?

Grundsätzlich erleben wir alle mehr positive Gefühle als negative. Doch, wie bereits erwähnt, nehmen wir die negativen stärker wahr. Was du aber tun kannst um deine positive Gefühlsbalance (dieser Begriff wurde von Barbara L. Fredrickson, Professorin an der Universtiy of Carolina geprägt) zu verändern, verrate ich dir jetzt.

  1. Reduziere deine negativen Gefühle.
  2. Stärke deine positiven Gefühle.
  3. Nimm beides in Angriff.

Am wirksamsten ist, wenn du beides machst: Verstärken UND reduzieren! Nutze zum Verstärken deiner positiven Gefühle gerne das kostenlose „Logbuch deiner Ressourcen“ und erstelle deinen Kraftort. Hol es dir hier.

Noch ein Tipp: Nutze ätherische Öle, um das Verstärken deiner positiven Gefühle nochmal zu verstärken 😃. Dazu eignet sich zB Bergamotte

Alles Liebe,
deine Melanie

Bildnachweis: Pixabay und Unsplash

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